Staatliche Prüfungen

Noten und Abschlüsse

Noten werden in den meisten Waldorfschulen nicht gegeben. Das heißt aber nicht, daß Fehler z. B. in Klassenarbeiten nicht korrigiert werden : Sie werden nur nicht mit einer dürren Note, sondern mit einer - mal kurzen, mal ausführlichen - Würdigung von Stärken und Schwächen der Arbeit charakterisiert und besprochen.

Ähnlich sind die Zeugnisse am Schuljahresende : Jetzt fassen die Lehrer die Entwicklung, die sie während des vergangenen Schuljahres beobachten konnten, in ausführlichen Begutachtungen zusammen. Leistungen, Stärken, Schwächen und Möglichkeiten zu eigener Verbesserung werden differenziert ausformuliert. Ein solches Zeugnis umfaßt häufig drei und mehr A4-Textseiten.

Lediglich für die staatlichen Abschlußprüfungen - Hauptschul-, Realschulabschluß und Abitur - werden die üblichen Notenzeugnisse erteilt.

Der Hauptschulabschluss

Schüler, die die Schule zwischen der 10. und der 12. Klasse verlassen wollen, können der Hauptschulabschluss am Ende eines Schuljahres erwerben. Die Erziehungsberechtigten teilen zu Beginn des Schuljahres dem Klassenbetreuer schriftlich ihren Wunsch mit, und die Schule beantragt daraufhin beim Staatlichen Schulamt den Hauptschulabschluss.

In der Regel kann auf eigenen Wunsch das Hauptschulabschluss am Ende der 10. Klasse erworben werden, wenn der/die Schüler/in die Schule verlassen möchte. Ansonsten geschieht dies am Ende der 11. Klasse auf Anraten des Lehrerkollegiums.

Dazu werden von den Fachlehrern die Beurteilungen des Waldorfzeugnisses in Noten umgesetzt und dieses Notenzeugnis zusammen mit dem Waldorfschulzeugnis und je einer schriftlichen Klassenarbeit in Deutsch, Englisch und Mathematik aus dem jeweiligen Schuljahr beim Staatlichen Schulamt eingereicht. Dieses stellt die Gleichwertigkeit fest, wenn die Arbeiten und ihre Beurteilung dem Niveau der Hauptschule entsprechen und die Noten das Bestehen der Hauptschulabschlussprüfung gewährleisten. In Ausnahmefällen können außerdem auch Epochenhefte vorgelegt werden.

Der Realschulabschluss

SchülerInnen der Mittleren-Reife-Gruppe, legen im 12.Schuljahr in den Monaten Dezember oder Januar ihre Eurokomprüfung und im Frühjahr/Sommer dieses Schuljahres ihre Realschulprüfung ab.

Das Abitur

SchülerInnen, die vom Klassenkollegium der Abiturgruppe zugeordnet werden, sollten keine MR-Prüfung ablegen. Besteht dennoch der Wunsch, die MR-Prüfung abzulegen, so geschieht dies nach Zustimmung der Klassenkonferenz. Die Vorbereitung erfolgt in eigener Verantwortung.

Die Fachhochschulreife (FHR)

Möchte ein/e Schüler/in an einer anderen Waldorfschule die Fachhochschulreife erlangen, so gelten die dortigen Aufnahmemodalitäten. Er/sie benötigt eine schriftliche Empfehlung an die aufnehmende Waldorfschule. Die Ausstellung einer solchen Empfehlung ist an die folgenden Kriterien gebunden:

1. Die Durchschnittsnote des Realschulabschlusses ist nicht schlechter als 3.

2. Die fachpraktischen Stunden im handwerklich-künstlerischen Unterricht der Klassen 9 bis 12 müssen durch den Klassenbetreuer bestätigt werden.

3. Der Schüler hat die Waldorfschule ab der 9. Klasse besucht

4. Der Übergang in die 13. Klasse zur Vorbereitung auf die FHR muss im Anschluss der 12. Klasse erfolgen. Im Ausnahmefall kann nur das Freiwilliges Soziale Jahr oder eine durch ärztliches Attest nachgewiesene Erkrankung als Unterbrechung anerkannt werden.

Über die Aufnahme des Schülers zur FHR entscheidet alleine die aufnehmende Waldorfschule!