Das bewegte Klassenzimmer

Seit dem Schuljahr 2005/06 wird unsere 1. Klasse in einer neuen Form geführt, die als "Bewegtes Klassenzimmer" bekannt ist. Vater dieser nunmehr in vielen Schulen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs praktizierten Eingangspädagogik ist der schwedische Musiker und Waldorflehrer Pär Ahlbom. Er gründete vor 30 Jahren eine Schule für schwierige Kinder, wo unter Anderem auf unkonventionellem bewegungsorientiertem Wege versucht wurde, Unausgewogenheiten der Kinder zu harmonisieren. Im Mittelpunkt stand dabei immer das übende Element. In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts gelangte dieser Impuls nach Deutschland und wurde an der Bochumer Waldorfschule zum ersten Mal praktiziert.

Es war an der Zeit, bessere Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen zu entwickeln. Wichtig war es genügend Raum zu schaffen, damit die Sinne der Kinder vielfältig geschult werden können. Mangels Raumgröße wurde deshalb ein neues Mobiliar in Form von Sitzkissen und Bänken bereitgestellt, mit denen flexibel im offenen Raum umgegangen werden kann.

Jedes "Bewegte Klassenzimmer" hat ein anderes Gesicht. Der Hauptunterricht ist streng gegliedert und beginnt mit einem Bewegungsteil von 45 Minuten, der teilweise freilassender ist, dann aber wiederum so angeleitet wird, dass täglich die Sinne geschult werden: Balancieren, Werfen, Fangen, Hüpfen oder Klettern gehören ebenso zum Programm, wie rhythmisches Sprechen Singen und Musizieren. Zum Bewegungsteil gehören auch die Einführungen in die Epocheninhalte, welche die Kinder im Kreis und aus der Bewegung heraus gestalten. Rituale sind fester Bestandteil und dienen der Orientierung und der Sammlung. Sie sind auch hilfreich, wenn umgebaut wird, zum Beispiel zu den Schreibstuben mit fester Sitzordnung, die frontal aufgebaut werden. Zu zweit wird eingerichtet. Hier muss geplant und organisiert werden! Es braucht Sitzkissen, Unterlagen, Material aus den Schubladen u.s.w. Das kann zu rechten Diskussionen führen... Die Schreibstubenordnung ist der eigentliche Lernteil, wo am Heft gearbeitet wird und die Tafel im Blickfeld steht. Ist dieser Teil beendet, wird wieder zur Tafelrunde umgebaut. Es wird eingedeckt und fröhlich gevespert. Die "Spülfee" zieht dann die Namenskärtchen des Spül- und Aufräumdienstes, der selbständig seine Aufgaben erledigt, alle anderen gehen zum Spielen in den hinteren Hof. Es folgt danach der Fachunterricht.

Vielleicht sind für viele Kinder die letzten dreißig Minuten des Vormittages die wichtigsten des Tages. Der Kreis wird wieder gebaut und man hält Tagesrückblick. Probleme, aber auch Schönes, was am Morgen erlebt wurde, schildert derjenige, der den hochgeschätzten "Erzählstein" in der Hand hält. Lösungen werden immer gemeinsam gesucht und stets gefunden. Das täglich erzählte Märchen, bei dem man entspannt auf dem Kissen kuschelt, bildet den harmonisierenden Abschluss.