HKU

Die Vielfalt der Materialien und des Handwerks

Um einer einseitigen Betonung der intellektuellen Bildung in der Oberstufe entgegen zu wirken, beginnt ab der 9. Klasse der handwerklich- künstlerische Unterricht (HKU), in dem vorrangig Gefühls- und Willenskräfte gefördert werden.

In dem wöchentlich vier Stunden umfassenden HKU-Unterricht, wie er an vielen Waldorfschulen genannt wird, bearbeiten die Schüler in siebenwöchigen Epochen verschiedene Materialien. Dabei müssen sie um ein ästhetisch ansprechendes Werkstück herstellen zu können, die unterschiedlichen Eigenschaften der Materialien, z.B. des Kupfers, gefühlsmäßig erleben und erfahren, um bei der willensbetonten Bearbeitung deren Gesetzmäßigkeit berücksichtigen zu können.

Hinzu kommt das Erlernen handwerklicher Techniken, die sachgemäß ausgeführt werden müssen. Nachdem sich die SchülerInnen die logischen Grundlagen, sei es in der Holz-, Metall-, Stoff-, Weiden oder Papierbearbeitung angeeignet haben, steht eine individuelle und künstlerische Gestaltung des Werkstückes im Mittelpunkt ihrer Bemühungen.

bei der Fertigstellung eines Werkstücks wird das liebevolle Ausarbeiten der letzten Details von einer großen Zufriedenheit über das Ergebnis begleitet. Die handwerkliche Arbeit wirkt strukturierend auf das bewegte Seelenleben der Jungen Menschen, da sie sich den Gegebenheiten der Materialien und Anforderungen, die eine exakte Handhabung der Werkzeuge voraussetzt, nicht ertziehen können.

Die sich derart entwickelnden Gemütskräfte wirken auf den Intellekt richtungsweisend und bieten ihm eine Orientierungshilfe.

Plastizieren

9. Klasse:

Zunächst erarbeiten sich die SchülerInnen in mehreren Übungen ein grundlegendes plastisches Verständnis. Dabei sollen vor allem Gegensätze wie z.B. Ruhe und Bewegung in den Tonformen zum Ausdruck gebracht werden. In einem weiteren Schritt entsteht daraus eine Tiergruppe. Hier werden die Proportionen und typische Gesten der Tiere sowie deren Beziehungen zueinander zu einem harmonischen und lebendigen Ausdruck zusammengeführt.

10. Klasse:

Thema der 10. Klasse ist die menschliche Gestalt. Wiederum ausgehend von Form-Polaritäten wie dem Gegensatz von Innen und Außen, Höhlungen und Wölbungen erarbeiten sich die SchülerInnen zunächst eine freie, ungegenständliche Form. In einem ersten Schritt führt die dynamische Entwicklung der Gegensätze zu spannungsvollen, chaotischen Formen, die erst durch einen Harmonisierungsprozess zu einem stimmungsvollen Ganzen verbunden werden. In einer zweiten Aufgabe werden Figuren gestaltet, die sich durch Gesten und Körperhaltungen aufeinander beziehen. Dabei ist die Seelenstimmung, die zum Ausdruck gebracht werden soll, formbestimmend.

11. Klasse:

Durch das Modellieren eines Kinder- und eines Erwachsenenkopfes setzen sich die SchülerInnen, durch das Darstellen der Gegensätze von Jung und Alt, in ihren Formen mit zwei Entwicklungssituationen des Menschen auseinander. Die zarten, noch bildsamen und lebensvollen Formen eines Kinderkopfes stehen im Gegensatz zur differenzierten und ausgeprägten Form des individualisierten Erwachsenenkopfes.

Kupfertreiben

9. Klasse:

Aus Kupferblech werden durch unterschiedliche Treib- und Stauchvorgänge zwei Schalen hergestellt, die mit einem selbst gefertigten Messingdorn zu einem Kerzenleuchter verbunden werden. In einer weiteren Arbeit wird durch den Arbeitsgang des Aufziehens ein Becher geformt.

Steinbildhauen

11. Klasse:

Zu Beginn der zehnwöchigen Epoche mit zwei Doppelstunden in der Woche wählen die SchülerInnen, ob sie Marmor, Kalkstein oder Sandstein bearbeiten möchten. Wenn möglich, wird die bereits vorhandene Form des gebrochenen Steins bei der Gestaltung mit dem Spitzmeißel aufgegriffen. Dabei sollte sich die Vision des Schülers mit der dem Steine innewohnenden Form verbinden. So werden Flächen, Mulden und Wölbungen herausgearbeitet, bis sich diese zu Formelementen zusammenfügen. Durch beständiges Differenzieren der Formen werden Beziehungen sichtbar, wodurch der fertige Stein deutlich an Klarheit und Präsenz im Raum gewinnt.

Vor ein paar Jahren

Nachdem das Malen und Zeichnen in der Unter- und Mittelstufe durch den Klassenlehrer unterrichtet wurde, wird es in der Oberstufe durch den Kunstlehrer erteilt. In der 9. und 10. Klasse wird unmittelbar an die Mittelstufe angeknüpft, es stehen das Zeichnen von Stillleben, Landschaft und Architektur, sowie die verschiedenen Drucktechniken im Vordergrund. Genaues Wahrnehmen und exaktes Zeichnen sind die unabdingbaren Grundlagen für den darauf folgenden sensiblen Umgang mit Farben. Ab der 11. Klasse werden verschiedene Techniken der Malerei erübt, wie zum Beispiel das Malen mit Pastellkreiden, Eitempera, Ölfarbe und Aquarellfarben. Thematisch steht in der 11. Klasse die Landschaft, in der Klasse 12. wird das Fach Malen und Zeichnen mit einer Ausstellung der Schülerarbeiten abgeschlossen.